
Hauptstadtkongress 2026
Führung als Schlüssel der Krankenhaus-Transformation: Buchpremiere auf dem Hauptstadtkongress 2026
Während die Branche fast ausschließlich über Defizite, Gesetze und Effizienzprogramme spricht, haben Philipp Andresen und Dr. Benedict Carstensen auf dem Hauptstadtkongress 2026 in Berlin ihr Buch „Der Luxus schlechter Führung" vorgestellt. Moderator Prof. Heinz Lohmann, langjähriger Experte für das Gesundheitssystem, stieg bewusst provokant ein:
„Ich glaube, nirgendwo wird so schlecht geführt wie im Gesundheitssystem. Es hat mal jemand gesagt: Krankenhäuser werden nicht geführt, sondern gesegelt. Das liegt daran, dass die Führungskräfte fachlich ausgesucht werden."Prof. Heinz Lohmann, Moderator
Hinzu komme ein Strukturwandel, der die Weiterentwicklung der Führungskultur noch dringender mache. Sein Fazit zur Premiere: „Da ist es prima, dass wir genau in dieser Phase druckfrisch ein Buch haben."
Reformdruck trifft die Krankenhäuser existenziell
Die Liste der diskutierten Reformvorhaben ist lang: vom Beitragsstabilisierungsgesetz über das Notfallgesetz und das Krankenhausanpassungsgesetz bis zur Apothekenreform. Für viele Häuser ist das nicht nur bedrohlich, sondern existenziell. Im Raum stand die Prognose eines Personalabbaus in der Größenordnung von rund zehn Prozent, und etliche Kliniken werden die Kostendeckelung nur über massive Restrukturierungen bewältigen. Den Rahmen dieser Reformdebatte bündelt das Bundesgesundheitsministerium in seinen Krankenhaus-Vorhaben. Genau in dieser Lage wirkt ein Buch über Führung auf den ersten Blick wie ein Randthema. Die Veranstaltung zeigte das Gegenteil.
Stimmen vom Podium
Co-Autor Philipp Andresen, Organisationspsychologe und Gründer des Instituts für Unternehmensgesundheit in Berlin, beschrieb die Motivation für das Buch:
„Aus meiner Sicht wird dieses Thema oft unterschätzt. Wir brauchen Führungskräfte, die ihre Leute mitnehmen können, die im besten Fall Change Manager sind."Philipp Andresen, Co-Autor
Co-Autor Dr. Benedict Carstensen, promovierter Facharzt für Innere Medizin, brachte den Kern des Problems auf den Punkt:
„Die Führung passt noch zu den Herausforderungen von vor 20 Jahren, aber nicht mehr zu den Herausforderungen von heute. Ich würde gerne vermeiden, dass sich ausgelaugte Assistenzärztinnen und Assistenzärzte bei älteren Kollegen beschweren."Dr. Benedict Carstensen, Co-Autor
Ergänzt wurde die Runde durch den New-Work-Experten Peter Herzau, Sabrina Roßius, Geschäftsführerin von Pflegezert, und Prof. em. Dr. med. Günther Jonitz, langjähriger Präsident der Ärztekammer Berlin.
Die zentrale These: Transformation ist eine Führungsaufgabe
Der rote Faden der Diskussion lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:
- Wenn über professionelles Krisenmanagement, Risikoabschätzung und Transparenz gesprochen wird, geht es um Führungsaufgaben.
- Wenn Häuser transformiert und zukunftsfähig aufgestellt werden, geht es um Führungsaufgaben.
- Wenn die Beschäftigten dabei mitgenommen und begleitet werden, geht es um Führungsaufgaben.
Die Kernbotschaft der Autoren: In der aktuellen Umbruchsituation reicht zufällig gute Führung nicht mehr aus. Die Weiterentwicklung einer modernen, anpassungsfähigen Führungskultur im Krankenhaus ist kein Luxus, den man sich gerade nicht leisten kann, sondern wird zum Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Transformation. Die gemeinsame Einschätzung der Runde: Der Faktor Führung wird in der Reformdebatte systematisch unterschätzt.
Was gute Führung dem Krankenhaus wirklich bringt
Wie groß der wirtschaftliche Hebel ist, machte Prof. em. Dr. med. Günther Jonitz mit einem einprägsamen Rechenbeispiel deutlich:
„Würden wir eine Milliarde Euro in die Führung stecken, würden sich viele Aspekte im Krankenhaus deutlich verbessern: höhere Qualität, mehr Patientensicherheit, höhere Effizienz, niedrigere Krankenstände. Und wenn man bedenkt, dass im Gesundheitssystem alle 18 Stunden eine Milliarde Euro ausgegeben werden, ist eine Milliarde für diese Verbesserungen nicht zu viel."Prof. em. Dr. med. Günther Jonitz
Genau hier setzt das Buch an. Restrukturierung verändert Strukturen, Prozesse und Kennzahlen. Ob diese Veränderungen aber im Alltag ankommen, hängt davon ab, wie geführt wird. Wo Stationsleitungen, Oberärztinnen und Abteilungsleiter in der Sandwichposition allein gelassen werden, entstehen Reibungsverluste, innere Kündigung und Fluktuation, also genau die Folgekosten, die ein Haus unter Spardruck am wenigsten gebrauchen kann. Wie sich der Weg in der Praxis gehen lässt, beschreiben wir im Beitrag Kulturwandel im Krankenhaus.
Vom Kongress in die Praxis Ihres Hauses
Das Institut für Unternehmensgesundheit begleitet Kliniken seit über 15 Jahren genau auf diesem Weg, bundesweit über 70 Häuser. Im Zentrum steht der Leaders-Transform-Culture-Prozess in vier Phasen: Analyse der gelebten Kultur, Ausrichtung über einen verbindlichen Führungskompass, Training aller Führungskräfte und Verstetigung im Alltag. Vertiefend stellen wir ihn unter Kultur entwickeln vor, die passenden Trainingsformate finden Sie unter Kompetenzen entwickeln.
Wenn Sie über die nächsten Schritte für Ihr Haus sprechen möchten, vereinbaren Sie gern ein Erstgespräch.
Das Buch „Der Luxus schlechter Führung" ist im medhochzwei Verlag erschienen und liefert die Grundlagen, Argumente und konkrete Werkzeuge, um Führungskultur als Wettbewerbsvorteil zu entwickeln.
Fotos: Hauptstadtkongress 2026
Häufige Fragen
Worum geht es im Buch „Der Luxus schlechter Führung"?
Das Praxisbuch von Philipp Andresen und Dr. Benedict Carstensen zeigt, wie Krankenhäuser ihre Führungskultur systematisch weiterentwickeln und zum Wettbewerbsvorteil machen. Es liefert Grundlagen, Argumente und konkrete Werkzeuge für Führung und Kulturwandel.
Was hat Führung mit der Krankenhausreform zu tun?
Krisenmanagement, Transformation und das Mitnehmen der Beschäftigten sind im Kern Führungsaufgaben. Wo unter Reformdruck nur an Strukturen und Kennzahlen gearbeitet wird und die Führungskultur außen vor bleibt, verpuffen Veränderungen oft.
Wo ist das Buch erschienen?
Im medhochzwei Verlag (ISBN 978-3-98800-124-5). Sie bestellen es direkt beim Verlag und im Buchhandel.
Wer war bei der Buchpremiere auf dem Podium?
Moderiert wurde die Runde von Prof. Heinz Lohmann. Auf dem Podium sprachen die Co-Autoren Philipp Andresen und Dr. Benedict Carstensen, ergänzt durch den New-Work-Experten Peter Herzau, Sabrina Roßius (Geschäftsführerin von Pflegezert) und Prof. em. Dr. med. Günther Jonitz, den langjährigen Präsidenten der Ärztekammer Berlin.
Was können Kliniken aus dem Buch konkret mitnehmen?
Das Buch macht den Ansatz öffentlich verfügbar, mit dem das Institut für Unternehmensgesundheit Kliniken begleitet: eine Blaupause für ein Leadership-Programm, Argumente für die Geschäftsführung und Best-Practice-Einblicke aus Häusern, die den Weg bereits gegangen sind.
Wo steht Ihre Klinik?
Sie möchten Ihre Führungs- und Kulturarbeit voranbringen? Lassen Sie uns über die nächsten Schritte für Ihr Haus sprechen.


